Aufgaben eines Delegierten
Als Delegierter haben Sie die verantwortungsvolle Aufgabe, die Interessen Ihres Landes in den Gremien glaubwürdig zu vertreten und nach Möglichkeit durchzusetzen. Neben souveränem Auftreten und geschicktem Verhandeln bedarf es vor allem einer inhaltlichen Vorbereitung auf die diskutierten Themen, um die Standpunkte Ihres Landes sicher vertreten zu können. Schließlich sollen Sie mit den anderen Delegierten am Ende der Konferenz für alle Staaten akzeptable Resolutionen verabschieden – dies ist die Herausforderung, der sich alle Sitzungsteilnehmer in den Gremien gleichermaßen gegenübergestellt sehen.
Was Sie über Ihr Land wissen müssen
Wenn Sie „Ihren“ Staat mitgeteilt bekommen haben, sollten Sie gleich mit der Vorbereitung beginnen. Um die Interessen Ihres Staates souverän repräsentieren zu - können, sollten Sie sich in der Vorbereitungszeit bis zur Konferenz vor allem über folgende Bereiche informieren:
1. Politik: Staats- und Regierungsform, aktuelle Staats- und Regierungschefs, Innen- und Außenpolitik, Beziehung zu den Vereinten Nationen, Bündnis- und Interessengruppen-Zugehörigkeiten
2. Geschichte: Geschichte des Staates mit prägenden historischen Ereignissen, Staatsgründung bzw. Unabhängigkeit, Beitritt zu den Vereinten Nationen und anderen Bündnissen
3. Wirtschaft: Wirtschaftssystem (z. B. Marktwirtschaft) mit Wirtschaftsdaten (z. B. Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum, Bruttoinlandsprodukt), Klassifizierung in Industrie-, Schwellen- oder Entwicklungsland, allgemeiner Entwicklungsstand und Haupt-Export- und Importgüter (z. B. Erdöl) und die Länder mit denen hauptsächlich Handel betrieben wird
4. Bevölkerung: Sozialstruktur, ethnische Gruppen und Minderheiten, Religionen, Kultur, mögliche Konflikte zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen
Was Sie über andere Staaten wissen müssen
Um bei der Sitzungswoche während den Debatten argumentativ und schlagkräftig überzeugen zu können, ist es stets von großem Vorteil nicht nur über Fakten und Standpunkte des eigenen Landes Bescheid zu wissen, sondern darüber hinaus auch eine gewisse Übersicht über andere Staaten zu haben. Dies ermöglicht Ihnen auf der einen Seite sich mit Staaten, die ähnliche politische Interessen und Vorstellungen haben schon im Voraus auszutauschen, sodass Sie sich gemeinsam in der Debatte für Ihre Ziele einsetzen können und nicht irrtümlicherweise aneinander vorbeireden. Auf der anderen Seite können Sie so, in für Sie unangenehmen Situationen, von Ihren eigenen Problemen ablenken und auf Missstände Ihrer politischen Gegner hinweisen.
Was Sie über die UN wissen müssen
Da es sich bei H-MUN um eine Simulation der UNO handelt, sollten Sie sich über deren Aufgaben, Aufbau und Vorgehensweisen genauestens informieren.
Was Sie über die Themen/Tagesordnungspunkte wissen müssen
Um auf die Themen und deren Diskussionen vorbereitet zu sein, sollten Sie sich vor allem um die Standpunkte Ihres Staates informieren. Außerdem sollten Sie bereits im Vorfeld über Stellungnahmen, Argumentationsstrategien und Vorschläge zur Problemlösung nachdenken. Dabei gilt zu beachten, dass Sie Einflüsse anderer Faktoren nicht außer Acht lassen. Dazu gehören zum Beispiel Bündnisbedingte Verpflichtungen, Einhaltung von Verträgen mit anderen Staaten oder andere Abhängigkeiten. Sollte die UN zu einem zu behandelnden Thema bereits eine Resolution verabschiedet haben, sollten Sie sich über deren Inhalt, über die Stellungnahme Ihres Landes zu dieser, sowie über das Ergebnis der Abstimmung und Ihr Stimmverhalten informieren. Wichtig ist hierbei insbesondere, dass Sie nicht den Fehler begehen sich schon in der Vorbereitungen von persönliche Wertungen verleiten zu lassen. Dabei ist es hilfreich sich zuerst einen ganz allgemeinen, objektiven Überblick zu verschaffen und sich anschließend mit dem Standpunkt Ihres Landes dazu befassen.
Woher Sie die benötigten Informationen bekommen
Im Internet finden Sie viele Informationen über die UNO im Allgemeinen, über andere UN-Simulationen - aber vor allem zu Ihrem Staat und dessen genereller Stellung in der Weltpolitik.
Neben den herkömmlichen Websites sind auch die Internet-News-Dienste von großem Nutzen, die Nachrichten nach selbst definierten Stichwörtern (z. B. Ländername mit oder ohne Thema) filtern und Links zu den entsprechenden Artikeln täglich (und kostenlos) per E-Mail verschicken. Tageszeitungen und TV-Nachrichten sind für Sie vor allem bei der Recherche zu den einzelnen Themen sehr wichtig. Es wird immer wieder unterschätzt, dass man als Delegierter natürlich auch über das aktuelle Geschehen (nicht nur in seinem Land) informiert sein muss! Auch die Botschaft bzw. das (General-)Konsulat Ihres Landes in Deutschland kann in der Regel spezielle Fragen beantworten. Scheuen Sie sich nicht, Informationen aus erster Hand zu beziehen; das Botschafts- oder Konsulatspersonal ist in der Regel sehr zuvorkommend! Auf den Websites mancher Auslandsvertretungen und Außenministerien gibt es darüber hinaus ein Newsletter-Angebot, welches Sie über aktuelle Entwicklungen in Ihrem Land informiert.
Wichtige Internetquellen
-Auswärtiges Amt: www.auswaertiges-amt.de
-Bundeszentrale für politische Bildung: www.bpb.de
-Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik: www.dgap.org
-Nationmaster: www.nationmaster.com
-Vereinte Nationen: www.un.org / www.unric.org
-Google-News-Dienst: www.news.google.de
Was Sie über den Konferenzablauf wissen müssen
Um sicher auftreten zu können und stets den Überblick zu bewahren, ist es wichtig die Abläufe einer Sitzungswoche zu kennen. Dabei helfen Ihnen das Kapitel „Ablauf einer Debatte“, sowie die Geschäftsordnung. Um letzte Unklarheiten zu beseitigen und Ihnen eventuelle Ängste vor der Sitzungswoche zu nehmen, findet noch vor der eigentlichen Sitzungswoche das Teilnehmervortreffen (TVT) statt, bei dem Sie den Ablauf einer Sitzungswoche nochmals genauestens erklärt und vor Augen geführt bekommen.
Länderpapiere, Positionspapiere
Jede Delegation ist dazu verpflichtet ein Länderpapier zu erarbeiten (eventuell in Zusammenarbeit), auf dem zum einen statistische Daten und Fakten, zum anderen aber vor allem die wichtigen Aspekte und Besonderheiten des Landes und seiner Politik genannt werden. Das Länderpapier sollte eine DIN A4 Seite in Schriftgröße 12 umfassen und absolut sachlich und objektiv verfasst sein.
Darüber hinaus ist jeder einzelne Delegierte dazu verpflichtet ein Positionspapier zu den betreffenden Ausschussthemen auszuarbeiten. Dabei sollen Sie den Standpunkt Ihres Landes zu den drei Tagesordnungspunkten darlegen, Probleme und Missstände hervorheben, sowie Maßnahmen und Lösungsvorschläge einbringen. Das Positionspapier (das Ihnen während der Diskussion als wichtige Grundlage dienen kann) sollte ebenfalls eine DIN A4 Seite in Schriftgröße 12 umfassen.
Sowohl Positions- als auch Länderpapiere müssen bis zu einem gewissen Datum bei den jeweiligen Vorsitzen eingereicht werden (Datum noch nicht bekannt). Sollten sich einzelne Delegierte dieser Auflage widersetzen behält sich die Projektleitung vor, entsprechende Maßnahmen gegen diese vorzunehmen. Insbesondere liegt es im Ermessen der Vorsitze mangelhafte oder fehlerhafte Papiere mit der Aufforderung zur Revidierung an die Delegierten zurückzuweisen. Sehen Sie die Ausarbeitung Ihrer Positions- und Länderpapiere nicht als Last, sondern als Möglichkeit einer perfekten, fundierten Vorbereitung an und nutzen Sie diese, in dem Sie sich bei Fragen auch an Ihre Vorsitze bzw. an die Projektleitung persönlich wenden.
Teilnehmervorbereitungstreffen (TVT)
Das TVT stellt eine Möglichkeit dar sich vor der Sitzungswoche mit dem Regelwerk und dem Ablauf einer Debatte vertraut zu machen. Vor allem für Delegierte, die zum ersten Mal an H-MUN teilnehmen, ist dies sehr sinnvoll. Denn im Gegensatz zur Sitzungswoche ist es hier möglich ungeklärte Fragen zu stellen.
Wichtig ist, dass Sie sich schon vor dem TVT inhaltlich und formell vorbereitet haben, um dieses auch intensiv nutzen zu können.
Schon beim TVT sind die Delegierten in Ihre späteren Ausschüsse verteilt und werden von Ihren jeweiligen Vorsitzen geleitet.
Das Erscheinen beim TVT ist auch für Delegierte, die schon mehrmals an H-MUN teilgenommen haben Pflicht. Ein unentschuldigtes Fehlen wird entsprechende Konsequenzen mit sich ziehen.